/London Sign by Sign

Strich für Strich: Die kunstvolle Welt der handgemalten Schilder Londons

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Leistungen

Editorial Design, Fotografie

In einer Welt voller steriler Folienplots und maschineller Massenproduktion ist das klassische Signwriting – die traditionelle Schildermalerei und das Vergolden (Gilding) – zu einer seltenen Kunst geworden. Doch wer mit offenen Augen durch London läuft, entdeckt dieses uralte Handwerk noch immer lebendig an unzähligen Fassaden und Schaufenstern.

„London Sign by Sign“ ist eine typografische Liebeserklärung an diese Subkultur. Als Special Interest Reiseguide nimmt das Buch den Leser mit auf drei kuratierte Touren durch die britische Hauptstadt. Vorbei an historischen Ghostsigns und zeitgenössischen Werken lädt es dazu ein, die Gesichter hinter der Farbe kennenzulernen und Strich für Strich in die Welt der handgemalten Buchstaben einzutauchen.

"Interviews": Spannende Einblicke in die Arbeitswelt Londoner Signwriter*innen.

Vom Konzept zur echten Feldforschung

Die Kursaufgabe war ein Buchkonzept. Ich habe ein Buch gemacht.

Ein Handwerk, das von Präzision, Farbe und Textur lebt, lässt sich nicht am Schreibtisch fassen. Also bin ich nach London gefahren. Ich habe wochenlang recherchiert, drei Routen durch die Stadt geplant, fotografiert und mit Signwritern gesprochen – direkt vor Ort, an den Fassaden, die das Buch später zeigt. Der Unterschied zwischen Konzept und gelebter Feldforschung war am Ende der Unterschied zwischen einem Schulprojekt und einem echten Buch.

Das Konzept: Zwei Londons in einem Layout

Ich bin eine Caption

Von Jack lernen

Das stärkste Kapitel des Buches entstand durch eine Begegnung. Jack Hollands – Signwriting Jack – hat mir an ein paar Londoner Nachmittagen gezeigt, wie Gilding funktioniert: wie das Blattgold aufgetragen wird, wie die Pinselführung Buchstaben entstehen lässt, die kein Drucker je reproduzieren kann.

Dieses Gespräch hat die Tonalität des gesamten Buches verändert. Nicht mehr über das Handwerk schreiben – sondern mit ihm. Die Interviews im Buch folgen dieser Haltung: nah, neugierig, auf Augenhöhe.

Das zentrale Gestaltungsproblem war ein inhaltliches: Wie zeigt man eine Subkultur, ohne ihren Kontext zu verlieren? Signwriting existiert nicht im Vakuum – es hängt an Fassaden, mitten in einer Stadt, die gleichzeitig Barbican und Borough Market ist.

Die Antwort war ein Layout auf zwei Ebenen:

Fokus (Blau): Der gerade Satzspiegel gehört der Kunst. Hier läuft der primäre Lesetext – dokumentarisch, präzise, mit blauen Akzenten für historische und zeitgenössische Werke.

Kontext (Rot): Quer dazu, auf einer gekippten Achse, läuft ein konventioneller London-Guide. Rote Akzente, touristische Highlights, Mainstream-Stadt. Nicht als Gegensatz – sondern als Schicht darunter.

Beide Ebenen teilen sich denselben Raum, ohne sich gegenseitig zu verdrängen. Das Layout macht sichtbar, was im Stadtraum auch gilt: Subkultur und Alltag existieren übereinander, nicht nebeneinander.

„Ich bin das Zitat und ich bin toll.“
Max Muster Max Muster
Ich bin ein Zitat
Und ich die Quelle

Von den Machern lernen

Ein Kapitel zieht alle Fäden zusammen: die Interviews. Um nicht nur über, sondern mit der Szene zu sprechen, traf ich Londoner Signwriter·innen vor Ort. Besonders prägend war die Begegnung mit Jack Hollands (Signwriting Jack), von dem ich aus erster Hand die Grundlagen des Gildings (Vergolden) und Signwritings erlernte. Diese tiefe Auseinandersetzung mit dem Material und dem Prozess fließt in jede redaktionelle und fotografische Entscheidung des Buches ein.

Tradition trifft Moderne
Die visuelle Sprache des Guides spiegelt sein Thema wider. Die fotografische Kuration – fast alle Bilder wurden von mir in London aufgenommen und editiert – fängt den rauen, echten Charakter der Straßen ein. Typografisch entsteht ein bewusster Kontrast: Die Serifenschrift Kandal zitiert historische Handwerkstradition, während die Azo Sans dem Layout die nötige geometrische Klarheit und moderne Lesbarkeit eines zeitgemäßen Guides verleiht. Ein umfassendes Ressourcen-Kapitel mit Glossar rundet die User Experience ab und macht das Buch zum funktionalen Begleiter.

Dass das Projekt den Nerv der Zeit getroffen hat, zeigte sich auch außerhalb der Universität. Der renommierte Blog Ghostsigns, eine Institution für die Bewahrung historischer Wandwerbung, wurde auf das Buch aufmerksam und widmete "London Sign by Sign" einen eigenen Beitrag.

→ Zum Ghostsigns-Beitrag

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